Auszüge aus einem Gespräch zwischen Karin Schwarzbek und Sarah Merten

Sarah Merten: Welche Themen beschäftigen dich zurzeit?

Karin Schwarzbek: Ein Themenfeld nenne ich Landschaftskonzepte. Die Leinwand und die Ränder thematisieren das Horizontale aber auch den Bildraum. Seit längerem beschäftigt mich ausserdem das Thema Körper. Damit meine ich sowohl den Kleidkörper, als auch das Bild als Objektkörper. Wenn ich „Landschaftskonzept“ sage meine ich lediglich eine Idee. Ich bilde keine Landschaft ab sondern bearbeite Erinnerungen an Bilder, die während des Malens auftauchen. Immer finden Verschränkungen verschiedener Themenfelder statt, wodurch diese in Beziehung zueinander treten.

SM: Das einzelne Bild trägt die benannten Anlagen alle in sich, bleibt aber dennoch offen. Dieses Angebot kann ich in meine Betrachtung aufnehmen, sollte mich aber zurückhalten, selbst etwas ins Bild hineinzulegen.

KS: Ich verwende deswegen auch keine Titel, weil eine inhaltliche Beschreibung für mich der falsche Ansatz ist. Meine Bilder sollen stattdessen Malereierfahrung ermöglichen. Die Bilder tragen dieselbe Offenheit in sich, die ich ihnen während des Malens entgegenbringe. Trotzdem sind sie nicht beliebig, sondern in sich sehr genau und damit in gewissem Sinn auch konkret.

SM: Der Begriff der Gültigkeit scheint mir in diesem Zusammenhang zentral. Woran erkennst du, wann ein Bild gültig – man könnte auch sagen – „fertig“ ist?

KS: Sobald ein Bild mich selbst überrascht signalisiert es mir, dass ich jetzt aufhören muss. Ein Kriterium dafür, ob ein Bild in seiner Gültigkeit Bestand hat ist auch, ob es aus meinem persönlichen Kontext herauszutreten vermag und Autonomie erlangt. Erst dann wird es für die Erzählung frei.

SM: Was bedeutet Malereierfahrung für dich?

KS: Mir geht es nicht darum, bei dir als Betrachterin etwas Bestimmtes auszulösen. Was ich Malereierfahrung nenne findet nicht beim Bild und nicht bei dir sondern räumlich dazwischen statt. Dieser Raum hat etwas Magisches, weil sich darin die Dimensionen verschieben.

SM: Im Vergleich zu deinen früheren Arbeiten empfinde ich es heute so, als ob du mit jeder hinzugefügten Farbschicht eigentlich etwas abträgst. Ich sehe darin ein archäologisches Vorgehen. Du öffnest mit dem Farbauftrag den Raum, der dir zuvor unbekannt war. Gleichzeitig sind die Formate immer kleiner geworden.

KS: Das schöne am Kleinformat ist, dass es zum Objekt wird, bei dem auch die Ränder wichtig werden. Es wird zum Klunker, hat Autonomie und trägt trotz aller Offenheit eine Behauptung in sich. Das Bild spielt damit, ein wertvoller Gegenstand zu sein. Klunker ist sehr liebevoll gemeint. Das ist der österreichische Humor, der eigentlich total ernst ist.