4 Fragen an Karin Schwarzbek, 21. Juli 2017

Zeigst du auch das Nicht-Zeigen?
Mich interessieren Bilder, bei denen es nicht primär um Darstellung geht. Bilder haben Körperlichkeit, sie sind auch Gegenüber, das ist für mich relevant. Wenn mir etwas entschwindet, dann ist vorher etwas da gewesen.

Pigmentablagerungen, Unebenheiten oder Materialqualitäten, die Oberflächen ausmachen, die sich je nach Licht verändern – sind es solche Bedingungen im Malprozess, die dich antreiben?
Ich setze mich mit dem Körperhaften auseinander, das Machen als Prozess, das fortwährende Mäandrieren ist schon wichtig. Beim Übermalen entstehen neue Oberflächen, die ich wieder bearbeite. Fehler oder Unebenheiten sind wesenhaft für meine Malerei, es entstehen ganz spezifische Oberflächen, wie auch jede Haut anders ist.

Ist dieses Spezifische oder Hautartige gar motivisch?
Vielleicht bin ich auf der Suche danach, wie Bildnerisches und Motivisches zusammenfallen. Material lagert Zeit ab, ich lasse mich darauf ein. Wenn ich reduziere und weiter reduziere … dann nehme ich beispielsweise bei einem Frührenaissancebild weniger Motive oder Komposition wahr, sondern seine Taktilität, auch wenn die Malerei völlig illusionistisch ist.

«Nonpiktorale» Ikonen?
Das Interessante an Ikonen ist ja, dass sie sich in der Erzählung wiederholen wie auch motivisch sich an Konvention halten. Der Anspruch ist keine neue Erzählung, sondern das Verweisen auf Abwesendes, das wiederum verkörpert wird. Es sind Objekte, die gewissermassen das «Nicht-da-Sein» stattfinden lassen. /tm