Text zur Ausstellung „Werkschau TG 2016“, Galerie Widmer Theodoridis, 19. November 2016 – 24. Dezember 2016

Gioia De Molin

Karin Schwarzbek spürt in ihren Arbeiten den malerisch-handwerklichen Prozessen nach und untersucht, in welcher Form die Spuren der sichtbaren Welt in ihrer bewusst von narrativen Inhalten losgelösten Malerei vorhanden sind. Die Künstlerin fokussiert dabei in zweierlei Hinsicht auf den Körper. Einerseits setzt sie sich mit dem Bildkörper und seinen Bestandteilen auseinander. Karin Schwarzbek faltet, schneidet oder vernäht Leinwände, bemalt sie mit Emaillack oder arrangiert Keilrahmhölzer zu installativen Arbeiten. Andererseits taucht der Körper auch als Thema auf. So hat sie in einer neueren Arbeit die mit Emaillack beschichtete Leinwand zu schnittmusterähnlichen Formen geschnitten und daraus eine Art fragmentierten menschlichen Kleiderkörper geschaffen. Auch die menschliche Haut interessiert sie. In der Auseinandersetzung mit der traditionellen Technik des Inkarnats – also der Darstellung von Hauttönen – spürt sie der für ihre künstlerische Praxis relevanten Analogie zwischen Leinwand, Farbe und Haut nach. Die an der Werkschau präsentierte Arbeit 049ff. (2015/16) – seit 2015 nummeriert sie ihre Werke durchgehend – greift diesen Themenkomplex auf. Die mit Leinöl bearbeitete Baumwolle schimmert hautfarben, derweil sich die Keilrahmhölzer wie Skelette dahinter abzeichnen. Das ebenfalls gezeigte Objekt 046 (2015) spielt mit den bildkörperlichen Eigenheiten der mit Lack und Acrylfarbe beschichteten Leinwand, die im rechten Winkel geknickt zum dreidimensionalen Objekt wird.